Hilfe Über uns Spielregeln Das Projekt RSS/Feeds
Digitales Archiv/Magazin versus originale Objekte?
von Moderator 29.01.2008 | 16:28

Mehrfach wurde vorgeschlagen, ein digitales Archiv bzw. eine digitale Objektdatenbank einzurichten, in der die Besucher nach Herzenlust stöbern können. So etwas gibt es tatsächlich schon in größerem Umfang online. Ein solches Projekt haben zum Beispiel die Museen in Schleswig-Holstein gestartet und Ihre Objekte in das Portal namens digicult eingestellt. http://www.museen-sh.de/ml/digicult.php?s=1&t=1&sparte=museen&pid= Auch für die Hamburger Museen ist ein solches Portal in Vorbereitung.
So schön dieser Service ist, gib es doch auch kritische Stimmen. Eine häufig geäußerte Befürchtung ist, dass Museumsbesuche mit der Objektpräsentation im Netz gänzlich überflüssig werden könnten. Ob dem wirklich so ist, ist zweifelhaft, da Online-Portale schließlich auch als Werbung dienen.
Mich bewegt in diesem Zusammenhang eine etwas anders geartete Frage: Welchen Wert hat das authentische Exponat für die Ausstellungsbesucher? Viele Ausstellungen bestehen heute zum großen Teil aus multimedialen Präsentationen und weitgehend exponatfreien Inszenierungen, die in der Regel sehr gut von den Besuchern angenommen werden. Die "echten" Exponate, sofern sie überhaupt noch gezeigt werden, geraten dabei oft in den Hintergrund. Dabei sind es doch gerade sie, die den Kern der Museen ausmachen und deren "Lebensinhalt" sie sind.
Gerade für kleinere Museen und Ausstellungen liegen die Vorteile der multimedialen Präsentation, wie sie im Forum auch schon mehrfach erwähnt worden sind, auf der Hand (z.B.: Darstellung vieler Objekte, Bilder und anderer Informationen auf wenig Raum). Doch wie stark darf die Präsens solcher Hilfsmittel sein und - überspitzt gefragt - könnten wir nicht sogar ganz auf die Originale verzichten? Welchen Reiz übt das authentische Objekt auf Sie als Besucher aus?









Antwort
Besser Digital als gar nicht..
von Herzog Otto   |   29.01.2008 | 17:10
Ich bin absolut der Meinung das ein solches digitales Archiv sehr schön sein kann und offensichtlich auch gut von den Gästen der Museen, welche einen solchen Service bieten, angenommen werden. (Ihre Aussage)

Ich habe mir den Link zu den Museen in SH angesehen und finde das sehr, sehr gut.

Nun muss man aber einen Unterschied machen, ob man ein solches Archiv frei in das Internet stellt und somit tatsächlich den potentiellen Besuchern einen wichtigen Grund für einen Besuch im realen Museum nimmt. Oder ob man nicht viel mehr ein geschlossenes System in den Räumlichkeiten des Museums verwendet. So hätte man ein Digitales Archiv aber würde die Besucher trotzdem in das Museum locken.

Man könnte natürlich regelmässig einige digitale Objekte auf der Homepage des Helmsmuseums im Wechsel als Lockmittel für einen Besuch zeigen.

Meine Meinung ist ganz klar, das es in jedem Fall besser ist die Objekte digital zu zeigen als sie nur in den dunklen Magazinen zu lassen. Gerade die von Ihnen angesprochenen "Kleinen" Museen können da ja profitieren und dazu gehört die "Stadtgeschichte Harburg" dann ja wohl auch.

Abschliessend möchte ich auch noch die überspitzte Frage beantworten, ob es überhaupt noch reale Objekte in einer Ausstellung heutzutage braucht.

Natürlich! Das Foto vom Adlerkopf der alten Süderelbebrücke ist grosse Klasse, auch schön fotografiert, aber eines Tages möchte ich Ihn schon auch mal in "echt" sehen! Allein um zu sehen ob es Ihn wirklich gibt! Sozusagen als Beleg für eine wirklich stattgefundene Geschichte und nicht eine "fiktive" die sich jemand in einer digitalen Welt ausgedacht hat.

Es bedarf also "echter Objekte" in einer Ausstellung, es darf nur nicht wieder eine "Daueraustellung" geben, wo einem schon der Name suggeriert das die Ausstellung genau so starr und unflexibel ist wie die Geschichte die sie vermitteln soll...
Nö, ohne Originale läuft nix
von Zentrale Randlage   |   29.01.2008 | 22:25
Das authentische Exponat wird sicher auch in Zukunft eine ganz wichtige Rolle spielen. Mit modernen technischen Mitteln können die tollsten Inszenierungen realisiert werden, die didaktischen Möglichkeiten erreichen eine früher undenkbare Vielfalt.

Und trotzdem bleibt das Original unverzichtbar, denn Originale sind das Besondere in der Ausstellung. Vor allem durch sie können glaubwürdige Brücken in die Vergangenheit geschlagen werden - das ist eben "echt", selbst wenn es sich um das erstaunlich gut erhaltene Fragment einer Schuhsohle handelt.

Die Frage ist ja, was man mit den Exponaten abseits von polierten Vitrinen anstellt. Hier erwarte ich ein spannendes Konzept um das Exponat herum. Wie kann der historische Kontext zum Leben erweckt werden und was ist das für eine Geschichte, die meine Aufmerksamkeit fangen soll?

Inszenierung und authentische Objekte können sich also wunderbar ergänzen, warum sollte das überhaupt ein Gegensatz sein? Gerade kleinen Museen mit vielleicht nur wenigen spektakulären Exponaten im Depot bieten sich auf diese Weise doch tolle Möglichkeiten, überraschende und thematisch gut aufgebaute Inhalte zu vermitteln.

Es müssen längst nicht immer die tollsten Kaffeeläden und Apotheken sein. "Kleinkram" kann sehr beeindruckend sein, wenn er pfiffig, attraktiv und abwechslungsreich verpacktist.
Einbindung
von Tami   |   30.01.2008 | 14:08
das hört sich gut an, aber wie könnte eine solche "spannende" konzeptionelle einbindung von exponaten tatsächlich aussehen? im rahmen einer zusammenhängenden geschichte bestimmter personen oder bestimmter geschehnisse?
insbesondere wenn es nicht wirklich einen tatsächlichen zusammenhang gibt.

bin selbst ein bisschen planlos...
erste Gedanken Medien/Original
von eleon   |   04.02.2008 | 19:32
Straßennamen stellen häufig die Verbindung zu Personen her. Mit Hilfe von Beamer(?) Personen berichten lassen (Bsp. Piraten Ausstellung in HB), Originale in atmosphärisch gestalteten Räumen, Gängen etc., die die virtuelle Zeitreise erlebbar vermitteln (Geräusche u.Gerüche). In der heutigen Zeit sind wir multimedial verwöhnt, alles wird zum Event erhoben, das sollte bei der Planung nicht außer Acht gelassen werden. Die Harburger Geschichte könnte für viele sehr spannend sein und zu einer verstärkten Identifikation der Jugend mit ihrem Stadtteil führen. Wäre zumindest ein Versuch wert.
Pilotprojekt Digitale Inventar
von Herzog Otto   |   05.02.2008 | 13:50
Ich habe mich ein wenig umgeschaut und bin dabei im Netz auf folgenden interessanten Artikel des "Tagesspiegels" zum Thema "Zusammenlegung der vier Hamburger Museen/Hamburger Museen fehlen Millionen Euro" getsossen.

Der ganze Artikel vom Dezember 2007 ist hier:

 Link

Der interessanteste Teil des Artikel ist meiner Meinung nach ganz am Schluss zum Thema digitales Inventar.

Ich zitiere: "Digitales Inventar

Ein weiterer Punkt der Museumsreform ist ein Pilotprojekt zur digitalen Inventarisierung der Sammlungsbestände, für das 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden sollen. Außerdem prüft die Kulturbehörde den Bau eines Kulturspeichers, mit dem die desolate Depotsituation der Stiftungen behoben werden soll. Bisher gibt es ein solches Projekt nur in München. "Ziel ist es hier nicht, Geld einzusparen, es geht vielmehr darum, Werte zu bewahren und für die Zukunft zu sichern", sagte von Welck. Aber das ist Thema für die Haushaltsberatungen 2009/2010. (svo/dpa)"

An Frau Küttner deshalb folgende Fragen:

Ist das Helms Museum schon in nennenswertem Umfang dabei, das Inventar zu digitalisieren, während hier noch "etwas scheinheilig" über den Nutzen/Sinn/Aufwand etc. diskutiert wird?

Wieviel von den 1,2 Mio Euro für das digitalisierungs Pilotprojekt entfällt auf das Helms Museum (nur reines Interesse um mal einschätzen zu können wie das Geld im neuen Museumsverbund verteilt wird...

Ist die Frage ob digitalisiert wird also schon lange entschieden? Ist es vielmehr nur noch eine Frage ob die digitalisierten Gegenstände auch der Öffentlichkeit gezeigt werden sollen.
Objektdatenbank
von Moderator   |   05.02.2008 | 18:11
Lieber Herzog Otto,

wie ich bereits oben geschrieben habe - und wie Sie dem Zeitungsartikel entnehmen konnten -, arbeiten die Hamburger Museen an einer Online-Objektdatenbank. In der Abteilung Harburger Stadtgeschichte ist seit November letzten Jahres damit begonnen worden, die Sammlung digital zu erfassen. Ein Teil der Objektfotografien unter dem Menüpunkt "Die Ausstellung" sind in diesem Zusammenhang entstanden. Allerdings handelt es sich dabei um Arbeitsfotos und es fehlen noch viele Daten. Bevor die Museen mit einer solchen Datenbank online gehen können, wird also noch viel Wasser die Elbe hinab fließen.

Von einer "scheinheiligen" Diskussion kann keine Rede sein. Denn es geht nicht darum, ob eine solche Datenbank erstellt wird - die digitale Erfassung gehört inzwischen zum Standard in der Museumsarbeit -, sondern meine eingangs gestellte Frage war, ob die Online-Präsentationen das Zeigen der Originale nicht überflüssig macht. Diese Befürchtung wird in der Museumswelt diskutiert und ist angesichts sinkender Besucherzahlen (an denen die Museen schließlich gemessen werden) durchaus nachvollziehbar.
Auch hier im Forum liegt ein Schwerpunkt der Vorschläge auf der Nutzung moderner Medien. Deswegen finde ich die Frage nach dem Stellenwert, den das originale Exponat für die Besucher in einer multimedialen Welt hat, diskutierenswert. Was kann uns das Original zeigen/geben, das wir nicht auch platzsparender, unkomplizierter und spannender (da bewegter) per Mausklick erfahren können?
Na dann ist doch alles klar!
von Herzog Otto   |   06.02.2008 | 13:59
Danke für die Information, Frau Küttner!

Die Sache ist für mich dann eigentlich klar. Wenn es langfristig sowieso ein digitales Archiv geben wird und es sich schon im Aufbau befindet, wäre es sträflich, es nicht zu präsentieren.

Das Kernproblem ist doch der Platzmangel im "neuen" Haupthaus. Es wäre natürlich super schön, ALLE tollen Fahnen im Original zu zeigen, welche das Museum im Magazin hat aber das wird nun mal nicht gehen. Deshalb sollte man IM WECHSEL eine Originalfahne Beispielhaft zeigen und die restlichen digital abrufbar machen.

Die neuen Fotos der Fahnen hier im Forum sind ein wahrer Leckerbissen und machen auf jeden Fall lust auf mehr.

Man kann hier auf jeden Fall Interesse wecken und das wird auch dazu führen, das dann mehr BEsucher in das Museum gehen, um sich auch Originale anzusehen.

Wenn ich mir die Fahne vom Arbeiter und Soladtenrat Harburg ansehe, weckt das bei mir sofort das Interesse zu sehen, was das Museum noch aus diesem "chaotischen" Zeitabschnitt eingelagert hat. Ich würde gerne Wissen:

- Welche anderen Fahnen gibt es noch? (Gleichartige Objekte anzeigen)

- Welche anderen Objekte gibt es noch zum Thema Arbeiter + Soldatenrat Harburg
(Gleichartige Thematik)

- Welche anderen Objekte gibt es noch aus dem selben Zeitrahmen, hier Nachkrieg 1WK - Noivemberrevolution 1918.
(Gleicher Zeitrahmen)

Viele Fragen, welche sich hier ergeben und nur weil ich das Bild mit der Fahne gesehen habe. Vorher ist mein Interesse nicht geweckt worden, weil ich nicht wusste, das es dieses Objekt gibt.

Die echten Objekte sind also ganz klar wichtig und müssen gezeigt werden, allerdings in häufigem Thematischen wechsel und immer erweitert und untermauert durch die digitale Komponente...
Danke!
von Moderator   |   06.02.2008 | 15:01
Lieber Herzog Otto, ich finde Ihre Idee, ausgewählte Originale zu zeigen und dies mit einer Objektdatanbank zu verbinden sehr interessant und vor allem praktikabel. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass eine chronologische Präsentation der Harburger Geschichte anhand der vorhandenen Objekte weder unseren derzeitigen räumlichen Möglichkeiten entspricht noch auf wirkliches Interesse zu stoßen scheint.
Eine ständig wechselnde Präsentation einzelner herausragender Exponate ist dagegen offensichtlich belebend und macht neugierig. Da ich aber doch meine, dass wir möglichst viel von der Harburger Geschichte zeigen sollten, frage ich mich, ob man das Zeigen einzelner, repräsentativer Exponate zum Konzept machen kann. Will heißen: Für jede historische Epoche bzw. jeden Themenblock wird ein besonders typisches und/oder herausragendes Exponat präsentiert. Mehr Informationen über die Zeit und über andere Exponate kann sich der Besucher zusätzlich über eine Datenbank erschließen. Wie wäre das?

Ihre
Sibylle Küttner

Sehr schön!
von Herzog Otto   |   07.02.2008 | 12:25
Hallo Frau Küttner!

Ihre Weiterentwicklung meiner Idee gefällt mir persönlich sehr gut. Ich kann mir das sehr gut so vorstellen. Wenn es so etwas tatsächlich eines Tages gäbe, wäre ich der Erste, welcher sich eine Dauerkarte kauft!



Magazin
von Marie-Luise   |   08.02.2008 | 12:03
Der Vorschlag, die Harburger Geschichte bzw. ihre Epochen durch jeweils ein symbolisches Objekt zu präsentieren, erscheint reizvoll. Was macht man aber mit Zeiten oder Themen, zu denen es keine Exponate gibt? Ein Museum kann doch nur das zeigen, was es tatsächlich hat. Außerdem stelle ich mir gerade vor, wie viel Technik ein solches Konzept verschlingen würde. Für jede Epoche eine PC-Station. Oh je, was für ein Wartungsaufwand!
Ich möchte daher einen Vorschlag aufgreifen, der hier im Forum - ich weiß nicht mehr wo und von wem - schon gemacht wurde. Dabei ging es um ein begehbares Magazin. Wenn ein Großteil der Exponate so platzsparend präsentiert werden könnte, wie in einem Magazin zum Beispiel in Schubladen, Schränken etc. hätten die Besucher ebensoviel zu sehen wie über eine Objektdatenbank. Und der Reiz des Authentischen würde sich zudem vervielfachen. Die Exponate wären dann nicht nach Epochen, sondern nach Objektart sortiert. Also alle Fahnen zusammenhängen, das Geschirr in Schränken verstauen, Orden und Abzeichen in flachen Schubladen, ebenso Münzen... Ich denke dabei an klassische Heimatmuseen, die mit Objekten aller Art gefüllt sind, fast wie Rumpelkammern. Diese Art der Präsentation übt einen großen Reiz auf die Besucher aus. In der Speicherstadt gibt es zum Beispiel ein Spielzeugmuseum, das wie ein Dachspeicher eingerichtet ist und gut besucht wird.
real oder virtuell
von percy allen   |   19.02.2008 | 21:57
Ich denke nicht, daß eine virtuelle Präsentation Online, Besucher davon abhalten wird, tatsächlich ins Museum zu gehen.
Das sind zwei ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Ein realer Besuch hat mit dem Bedürfniss, spazieren zu gehen, etwas neues zu erfahren zu tun.
Ein Online Besuch dient wahrscheinlich eher der Recherche.
Ich kann mir vorstellen, daß eine professionelle Darstellung, wie im obigen Link auf die Schleswig Holsteinischen Museen, eher neues Interesse weckt, anstatt einen realen Besuch überflüssig macht.
Ich halte es sogar für einen Fehler, nur intern den Bestand zu digitalisieren.



 Zurück zur Übersicht
Name
Passwort
 
Erstmalig anmelden! Liste aller Teilnehmer